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Impulse Juli 2026

„Du musst positiv denken!“

Über einen gut gemeinten Rat, der zur Belastung werden kann

Es gibt zahlreiche Bücher, die vermitteln, dass wir unser Leben durch positives Denken in die von uns gewünschten Bahnen lenken können. Was aber heißt das, wenn jemand an Krebs erkrankt ist? Hilft positives Denken auch dann? Ist es eine Voraussetzung für die ersehnte Heilung?

Die Aussage der Wissenschaft ist klar: Die Heilung einer Krebserkrankung lässt sich durch positives Denken nicht erzwingen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass eine optimistische oder „kämpferische“ Haltung den Krankheitsverlauf unmittelbar beeinflusst. (Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums)

Ich würde mir wünschen, diese Information wäre allen Erkrankten bekannt. Immer wieder erlebe ich, wie viel Druck sich Krebspatient*innen selbst machen und wie viel Druck sie auch durch ihr familiäres und soziales Umfeld erfahren können, wenn ihnen vermittelt wird, positives Denken trage maßgeblich zur Heilung bei. Manche erleben das Fortschreiten oder die Rückkehr ihrer Erkrankung als Konsequenz ihres nicht immer positiven Denkens; sie empfinden Mitschuld an einem ungünstigen Krankheitsverlauf.

Angehörige und Freunde greifen mitunter auf die Aufforderung zum positiven Denken zurück, auch weil sie selbst die Angst und Hilflosigkeit angesichts der Erkrankung kaum aushalten können. Der Satz soll Mut machen, kann bei Erkrankten jedoch das Gefühl hervorrufen, ihre wirklichen Ängste und Sorgen seien nicht erwünscht. Manchmal ist es hilfreicher, nichts beschönigen zu wollen, sondern zuzuhören und gemeinsam auszuhalten, was im Moment schwer ist.

Niemand kann oder muss ständig positiv denken. Angst, Wut, Trauer und Verzweiflung sind verständliche Reaktionen auf eine bedrohliche Erkrankung und brauchen Raum – sie dürfen da sein.

Positives Denken ist nicht dasselbe wie Hoffnung. Hoffnung bedeutet nicht, die Wirklichkeit auszublenden oder nur an ein gutes Ende zu glauben. Sie kann auch da sein, wenn ein Mensch Angst hat, traurig oder verzweifelt ist. Im Verlauf einer Erkrankung kann sie sich verändern: von der Hoffnung auf Heilung hin zur Hoffnung auf eine gute Zeit, auf weniger Schmerzen, auf einen besonderen Moment oder darauf, mit dem Schweren nicht allein zu sein. Hoffnung verlangt weder bestimmte Gedanken noch gute Stimmung. Sie darf auch leise sein.

Auch wenn es im Leben vieles gibt, was wir nicht sehen oder vollständig erklären können, dürfen wir daraus keine Verantwortung der Erkrankten für den Verlauf ihrer Krankheit ableiten. Es macht mich traurig, wenn Krebspatient*innen glauben, sie hätten durch vermeintlich falsche Gedanken einen ungünstigen Krankheitsverlauf mitverursacht.

Dass unsere Gedanken den Krankheitsverlauf nicht bestimmen, bedeutet nicht, dass die seelische Haltung bedeutungslos ist. Hoffnung und Zuversicht können entlasten, Halt geben und dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern. Sie können helfen, mit Ängsten und Belastungen umzugehen und sich ihnen weniger ausgeliefert zu fühlen.

Positives Denken kann eine Krebserkrankung nicht heilen. Aber Hoffnung und Zuversicht können dabei helfen, die Zeit der Erkrankung und Behandlung seelisch besser zu bewältigen.

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